Die Wahl der Franchise gehört zu den wirksamsten Massnahmen, um bei der Krankenkasse zu sparen. Trotzdem wählen erstaunlich viele Versicherte ihre Franchise nach Bauchgefühl — oder belassen sie seit Jahren unverändert. Dabei kann die richtige Entscheidung den Unterschied von über CHF 1'500 pro Jahr ausmachen.
Was ist die Franchise und wie funktioniert sie?
Die Franchise ist der jährliche Selbstbehalt in der obligatorischen Grundversicherung. Konkret bedeutet das: Sie bezahlen Ihre Arzt- und Spitalrechnungen selbst, bis die gewählte Franchisesumme erreicht ist. Erst danach übernimmt die Krankenkasse — abzüglich eines weiteren Selbstbehalts von 10 % (maximal CHF 700 pro Jahr).
In der Schweiz stehen Erwachsenen ab 26 Jahren sechs Franchisestufen zur Verfügung. Für Kinder bis 18 Jahre gelten separate, tiefere Stufen von CHF 0 bis CHF 600.
Alle Franchisestufen im Vergleich
Die folgende Tabelle zeigt die sechs Franchisestufen für Erwachsene mit den durchschnittlichen Prämienunterschieden und dem jährlichen Sparpotenzial gegenüber der Minimalfranchise:
| Franchise | Monatsprämie (Durchschnitt CH) | Ersparnis vs. CHF 300 | Maximales Risiko* | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| CHF 300 | CHF 449 | — | CHF 1'000 | Chronisch Kranke |
| CHF 500 | CHF 427 | CHF 264 / Jahr | CHF 1'200 | Regelmässige Arztbesuche |
| CHF 1'000 | CHF 393 | CHF 672 / Jahr | CHF 1'700 | Gelegentliche Behandlungen |
| CHF 1'500 | CHF 365 | CHF 1'008 / Jahr | CHF 2'200 | Selten beim Arzt |
| CHF 2'000 | CHF 340 | CHF 1'308 / Jahr | CHF 2'700 | Gesunde Erwachsene |
| CHF 2'500 | CHF 318 | CHF 1'572 / Jahr | CHF 3'200 | Junge, gesunde Personen |
*Maximales Risiko = Franchise + Selbstbehalt (10 %, max. CHF 700). Durchschnittswerte 2026, Region Mittelland.
Die Breakeven-Rechnung: Ab wann lohnt sich welche Franchise?
Die entscheidende Frage lautet: Ab welcher Höhe der jährlichen Gesundheitskosten ist die tiefe Franchise günstiger als die hohe? Dafür vergleichen wir die Gesamtkosten (Prämie + Franchise + Selbstbehalt) beider Extremvarianten.
Rechenbeispiel: CHF 300 vs. CHF 2'500 Franchise
Szenario A — Keine Arztkosten:
Franchise CHF 300: 12 × CHF 449 = CHF 5'388
Franchise CHF 2'500: 12 × CHF 318 = CHF 3'816
Ersparnis mit CHF 2'500: CHF 1'572
Szenario B — CHF 5'000 Arztkosten:
Franchise CHF 300: CHF 5'388 + CHF 300 + CHF 470 = CHF 6'158
Franchise CHF 2'500: CHF 3'816 + CHF 2'500 + CHF 250 = CHF 6'566
Ersparnis mit CHF 300: CHF 408
Breakeven-Punkt: ca. CHF 3'800 Arztkosten pro Jahr. Unterhalb dieses Betrags lohnt sich die hohe Franchise.
Franchise-Empfehlung nach Lebenssituation
Ihre optimale Franchise hängt von Ihrem Gesundheitszustand und Ihrer Lebenssituation ab. Hier unsere Empfehlungen:
CHF 2'500 — Für gesunde Erwachsene
Sie gehen höchstens ein- bis zweimal pro Jahr zum Arzt, nehmen keine regelmässigen Medikamente und sind unter 50 Jahre alt? Dann ist die höchste Franchise fast immer die beste Wahl. Die Prämienersparnis von über CHF 1'500 pro Jahr überwiegt das geringe Risiko deutlich. Kombiniert mit einem günstigen Versicherungsmodell sparen Sie doppelt.
CHF 1'500 — Für vorsichtige Sparer
Wenn Sie ab und zu zum Arzt gehen, aber keine hohen Kosten erwarten, ist die Franchise von CHF 1'500 ein guter Kompromiss. Die Prämienersparnis beträgt immer noch über CHF 1'000 pro Jahr, das finanzielle Risiko bleibt überschaubar.
CHF 300 — Für chronisch Kranke
Wer regelmässig Medikamente benötigt, chronische Erkrankungen behandelt oder häufig im Spital ist, fährt mit der Minimalfranchise von CHF 300 günstiger. Die höhere Prämie wird durch die geringere Selbstbeteiligung mehr als kompensiert.
Franchise für Kinder
Bei Kindern empfehlen Experten meist die Nullfranchise (CHF 0). Die Prämienersparnis bei höherer Kinderfranchise ist gering, während die Gesundheitskosten bei Kindern schwer vorhersehbar sind. Ausnahme: Bei kerngesunden Teenagern kann die Franchise von CHF 300 oder CHF 600 eine sinnvolle Wahl sein.
Franchise und Selbstbehalt — der Unterschied
Viele Versicherte verwechseln Franchise und Selbstbehalt. Der Selbstbehalt ist der Anteil von 10 %, den Sie nach Erreichen der Franchise noch selbst tragen — maximal CHF 700 pro Kalenderjahr. Die Gesamtbelastung setzt sich also zusammen aus: Prämie + Franchise + Selbstbehalt.
Beispiel: Bei Franchise CHF 2'500 und Gesundheitskosten von CHF 8'000 zahlen Sie: CHF 2'500 (Franchise) + CHF 550 (10 % von CHF 5'500) = CHF 3'050 Eigenanteil. Dazu kommen natürlich die monatlichen Prämien.
Wann und wie kann ich die Franchise ändern?
Die Franchise können Sie jeweils auf den 1. Januar des nächsten Jahres anpassen. Beachten Sie diese Fristen:
- Franchise erhöhen: Mitteilung bis 31. Dezember an Ihre Kasse
- Franchise senken: Mitteilung bis 30. November (gleiches Datum wie beim Kassenwechsel)
- Franchise bei Kassenwechsel: Frei wählbar bei der neuen Kasse
Tipp: Kombinieren Sie die Franchise-Optimierung mit einem Prämiencheck. Oft lohnt sich der gleichzeitige Wechsel von Kasse und Franchise — der Spareffekt multipliziert sich.
Die grössten Franchise-Fehler
Vermeiden Sie diese typischen Fehler bei der Franchise-Wahl:
- Franchise nie überprüft: Viele Versicherte behalten jahrelang die gleiche Franchise — obwohl sich ihre Gesundheitssituation verändert hat.
- Angst vor der hohen Franchise: Statistisch gehen 60 % der Versicherten weniger als CHF 500 pro Jahr zum Arzt. Die hohe Franchise wäre für die Mehrheit günstiger.
- Kein Notgroschen: Wer die Franchise von CHF 2'500 wählt, sollte diesen Betrag als Reserve verfügbar haben.
- Kinderfranchise zu hoch: Bei Kindern sind die möglichen Einsparungen gering, das Risiko aber höher als bei Erwachsenen.
«Über 70 % der Versicherten mit Franchise CHF 300 könnten mit einer höheren Franchisestufe Geld sparen — bei gleichem Leistungsumfang.» — Comparis-Studie 2025
Nutzen Sie unsere weiteren Spartipps und starten Sie noch heute Ihren persönlichen Prämienvergleich. Die optimale Franchise in Kombination mit dem richtigen Versicherer und Versicherungsmodell spart Ihnen mehrere tausend Franken pro Jahr.